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Konkurrenzvorteile stecken in den Köpfen und den Händen – nicht in der Technik

17.8.16
Autor: Prof. Dr. Anton Wäfler, Olten

Auch mit den neuen Technologien wird der Mensch die entscheidende Role im Fertigungsprozess spielen

  • Auch mit den neuen Technologien wird der Mensch die entscheidende Role im Fertigungsprozess spielen

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Unter dem Label Industrie 4.0 sind technische Entwicklungen zusammengefasst, von denen erwartet wird, dass sie eine Transformation der Industrie auslösen (vgl. www.industrie2025.ch). Sie sollen ein grosses Potenzial für Innovationen bergen, welches für die Konkurrenzfähigkeit des Werkplatzes Schweiz sehr wichtig ist.

Tatsächlich birgt I4.0 grosse Potenziale für Innovation. Jedoch liegen diese nur zum Teil in der Technik. Zudem muss man sich fragen, ob rein technikbasierte Potenziale tatsächlich einen nachhaltigen Konkurrenzvorteil schaffen. Dies weil Konkurrenten sich die Technik ja auch beschaffen können.

Der eigentliche Konkurrenzvorteil liegt nicht im Besitz der neuesten Technik, sondern in der Fähigkeit, diese Technik besser als die Konkurrenten einzusetzen. Dies zeigt schon die Erfahrung. Auch das Konzept "Computer-integrated Manufacturing" (CIM) beinhaltete die Vision einer menschenlosen Fabrik. Erfüllt hat sie sich nicht. Geht man heute durch eine Fabrik, so sieht man zwar weniger Menschen als früher. Sie sind aber noch immer da. Ihre Rolle im Produktionsprozess ist nach wie vor eine kritische - vielleicht sogar eine noch kritischere als vor CIM.

Auf den intelligenten Umgang mit neuen Technologien kommt es an

Dies weil der Betrieb komplexer Produktionsanlagen sehr anspruchsvoll ist. Produktionsbetriebe sind daher auf hochkompetente Mitarbeitende angewiesen, die Ihre Anlagen beherrschen. Letztendlich macht also nicht die Technik den Konkurrenzvorteil aus, sondern ihre intelligente Nutzung. Ob diese gelingt, hängt von den Nutzern ab - und damit von den Mitarbeitenden. Damit wird der Mensch zu einem kritischen Erfolgsfaktor. Wer diesen verliert, wird auch mit neuen Technologien nicht erfolgreich sein.

In der Schweiz ist menschliche Kompetenz eine primäre Ressource der Prozessbeherrschung und der Innovationsfähigkeit. Dabei sind mit "Mensch" nicht nur jene gemeint, deren Job es ist, Produkt- oder Prozessinnovationen voranzutreiben. Gemeint sind alle Mitarbeitenden, die mit ihrer Fachkompetenz und ihrem Erfahrungswissen den eigentlichen Rohstoff für nachhaltigen Erfolg bilden. Das kann auch ein angelernter Schleifer sein, der über Jahre eine ausgefeilte Fingerfertigkeit entwickelt hat, welche für die Bearbeitung spezieller Metalllegierungen qualitätskritisch sein kann. Zwar ist es durchaus möglich, diese Fähigkeit in einen Roboter hinein zu programmieren. Dieser wird sie aber nicht mehr weiterentwickeln. Und der Betrieb wird das Knowhow verlieren, sobald der letzte erfahrene Mitarbeiter in Pension geht.

Die menschliche Seite der Industrie 4.0

Vielleicht ist dies ja nicht so schlimm. Trotzdem muss man sich vor dem Einsatz neuer Technologien gut überlegen, welche Kompetenzen kritisch sind, und wie diese gezielt weiterentwickelt werden sollen. Dabei gibt es auch viele kritische Kompetenzen, derer man sich gar nicht bewusst ist. Sie stecken in Form von Erfahrungswissen in den Köpfen und den Händen der Mitarbeitenden. Es ist daher zentral, I4.0-Projekte nicht rein technisch zu betrachten, sondern als Potenzial für eine innovative und konkurrenzfähige Gestaltung des Zusammenwirkens von Mensch, Technik und Organisation. Denn die Basis von Innovationsfähigkeit und Prozessbeherrschung steckt nicht in der Technik, sondern in den Köpfen und den Händen der Mitarbeitenden, die es ermöglichen, technische Potenziale intelligent zu nutzen und dadurch Konkurrenzvorteile zu generieren.


A. Wäfler

Über den Autor: Anton Wäfler ist Professor an der Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz. Dank seiner nachweisbaren Praxiserfahrung in den Feldern von Safety & Human Factors, Sociological System Design, Organizational Development und Human-Computer Interaction, weist Professor Wäfler einmalige Fachkenntnisse im Bereich Psychologie am Arbeitsplatz auf. Er hat iafob GmbH mitbegründet, welches aus der ETH Zürich entstanden ist und einen Beitrag zu einer humanen, wirtschaftlichen und nachhaltigen Unternehmensentwicklung leistet.

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