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F&E-Outsourcing: Chance für KMU?

1.6.16
Autor: Andreas Rülke, London

Müssen Unternehmen ihre Produkte komplett selbst entwickeln oder können sie in F&E mit Hilfe von Lieferanten effizienter arbeiten?

Was in der Fertigung und Produktion gang und gebe ist, wird in der Entwicklung noch immer stiefmütterlich behandelt. In den letzten Jahren und Jahrzenten war es üblich, einzelne Schritte der Produktion oder sogar die komplette Fertigung, auszusourcen und durch Lieferanten herstellen zu lassen. Bis hin zum Entstehen von virtuellen Unternehmen, die sehr effizient komplexe weltweite Produktionsnetzwerke steuern – jedoch keine eigene Fabrik mehr besitzen oder betreiben.

Diese inzwischen akzeptierte und auch vielfach erfolgreiche Methode wird in der Entwicklung immer noch selten angewendet, auch wenn Untersuchungen zufolge der weltweite Markt für outgesourcte F&E-Dienstleistungen 2015 schon 36 Milliarden US-Dollar umfasst. Wer hat schon den Mut zu sagen, dass auch Teile der Entwicklung von Lieferanten übernommen werden könnten. Dabei sind in allen Branchen eine Menge zuverlässiger Auftragsentwickler am Markt, die zudem über einen beachtlichen Leistungsausweis verfügen. Aber selbst wenn es Lieferanten gibt, die gerne Teile der Entwicklung übernehmen würden, dann ist doch die Unsicherheit gross, wie man an dieses Thema herangehen soll.

Ein guter und erprobter Ansatz ist es, mit einer Core- / Non-Core-Analyse der Produktelemente zu beginnen. Auch wenn die Entwicklungsaktivitäten alle intern beibehalten werden sollen, ist das ein hervorragender Ansatz, um sich Klarheit über die Wichtigkeit der einzelnen Entwicklungsaufgaben zu verschaffen. Auf der Basis lässt sich entscheiden, ob und wann einzelne Teile des Produktes oder komplette Produkte an Lieferanten zur Entwicklung und Wartung gegeben werden könnten. Wenn dann einmal das Entwicklungsbudget unter Druck kommt, ist das Unternehmen darauf bereits vorbereitet die Produktivität zu erhöhen.

Aus Sicht kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) ergibt sich eine weitere interessante Perspektive So verfolgen diese oft Nischenstrategien, um sich erfolgreich zu behaupten, womit sie nicht selten im erfolgreich sind. Die Konzentration auf Kernkompetenzen ist somit sinnvoll und birgt jedoch die latente Gefahr, wichtige technologische Entwicklungen zu übersehen oder einfach nicht verarbeiten zu können. In der Fokussierung liegt umgekehrt eine Chance. Denn als Outsourcing-Partner kann ein KMU die eigenen Kernkompetenzen breiter vermarkten.


Der Autor: Andreas Rülke ist Unternehmensberater mit Schwerpunkt Produktentwicklung und Innovationsmanagement und unterstützt seit über 23 Jahren technologiegetriebene Firmen. In zahlreichen internationalen Projekten darunter in Deutschland, Schweden, Grossbritannien, den USA und der Schweiz deckte ein breites Spektrum ab, darunter R&D- und Produktstrategien, Produktportfolio-Optimierungen und Roadmaps, Make/Buy-Analysen in Forschungsbereichen bis hin zur Technologie- und Produktentwicklungsoptimierung. Andreas Rülke (Dipl.-Ing, MBA) lehrt R&D- und Innovationsmanagement u.a. am schwedischen Royal Institute of Technlogy (KTH) in Stockholm.


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